Zur Sicherung der Hauptstraße zur Festung (die spätere Reichstraße 1) wurde 6km westlich der Küstriner Kernfestung zwischen 1883-1888 das Fort Gorgast errichtet. Auf sich allein gestellt sicherte es den gesamten westlichen Teil des Festungsbezirks bis hin zum Reitweiner Sporn. Diese Aufgabe spiegelt sich in der Bauweise des Forts wieder, die eher der eines Sperrfort entspricht. Auffällig ist die Symbiose zwischen der bastionären und der polygonalen Befesti- gungsmanier, wenngleich der Grundaufbau dem eines weiterentwickelten Einheitsforts, änhlich wie das zeitgleich entstandene Fort Zorndorf entspricht. Noch einmal manifestiert sich hier die preussische Befestigungskunst in seiner vollen Pracht. 200 verschiedene Formsteine wurden mit höchster handwerklicher Präzision verarbeitet.
Wegen des hohen Grundwasserspiegels mußten die Bauwerke des Forts auf ebener Erde errichtet werden, wodurch die Kasematten nur einstöckig ausgeführt wurden um eine niedrigere Silouette zu bilden. Durch den 3,20 tiefen und bis

zu 42m breiten Wassergraben, dessen Aushub das Material für die Wälle lieferte, konnte auf die Errichtung von Grabenwehren verzichtet werden. 1886 machten die Ergebnisse der Beschußversuche mit Brisanzgranaten eine Neubewertung aller Festungswerke notwendig, von der auch das im Bau befindliche Fort Gorgast nicht ausgeschlossen wurde. Bereits in der Entstehungsphase veraltet, wurde auf eine aufwendige Modernisierung verzichtet. Die zugänglichen Bereiche wurden mit einer 1m starken Betonschicht verstärkt und der Bau der vorhandenen Strukturen beendet.

Fortan diente das Fort nur noch als Unterkunft für Rekruten. Im 1.Weltkrieg wurden hier französische Kriegsgefangene interniert und nach dem Krieg nutzte die Reichswehr das Fort als Munitionslager. 1945 wurde das Fort nach kurzem Kampf von Einheiten der Roten Armee erobert, die es Lazarett nutzten. Zur militärischen Entwertung wurden alle betonierten Bauwerke gesprengt. 1947 wurden zur Bekämpfung des Oderhochwassers weite Teile des linken Kehlwalls zur Materialgewinnung abgetragen. Nach 1950 nutzte die NVA das Fort als Lager für Gewehrmunition. Dazu wurden die Fenster der Kasernen zur großen Stahltoren umgebaut und auf dem freien Platz des ehemaligen Kehlwalls Zweckbauten errichtet.
Seit 1992 wird das Fort vom Verein Fort Gorgast genutzt, der versucht das Fort zu erhalten und in seinen ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.