Das Fort Säpzig liegt etwa 8 km von Küstrin entfernt und wurde 1887-90 als eine permantente Batterie errichtet. Mit dem gleichzeitig erbauten und sehr ähnlichen Fort Tschernow sicherte es den Verkehrsknoten mit seinen wichtigsten Brücken von Süden her.
Die in beiden Werken untergebachte Artillerie sollte das Umfeld der Forts bis auf Entfernungen von mehreren Kilometern beherrschen, den Angreifer am gewaltsamen Eindringen in die Festung und an der Einnahme der günstigen Beobachtungs- und Feuerstellungen auf den vorherrschenden Kannenbergen hindern. Das Streben nach wirkungsvoller Bestreichung der Kannenberge bewirkte, daß beide Werke abweichende unregelmäßige Grundrisse erhielten. Fort Säpzig stellt im Gegensatz zum Schwesterwerk Tschernow eine vierseitige Redoute dar. Dadurch konnte das Hochplateau von den meisten im Forts befindlichen Geschützen ins Kreuzfeuer genommen werden.

Fort Säpzig galt von Anfang an als eine zu exponierte Stellung, um selbständig einem förmlichen Angriff eines stärkeren Feindes zu widerstehen. Vom Typ des Hochwallforts bereits zu seiner Entstehung veraltet, sollte es ledigleich Zeit gewinnen und das umliegende Gelände absichern, auf dem dann weniger exponierte Stellungen, für die aus dem Fort zurückgezogene und von der Reserve der Festung geholte Geschütze, sowie für ihren infanteristischen Schutz entstehen sollten. Einen Teil der dazu nötigen Arbeiten wollte man während der Armierung der Festung ausführen.

Bereits in Friedenszeiten wurden die benötigten Baumaterialien gekauft und eingelagert. Der Ausbau des Kampffeldes erfolgte 1914, als ungefähr 1,5km westlich des Forts ein Stützpunkt für eine Kompanie Infanterie angelegt und hinter diesem das am Fuße des Hanges versteckte Munitionsmagazin erbaut wurde. Ein vermuteter weiterer Stützpunkt 500m östlich vom Fort wurde bisher nicht gefunden. Das Fort selbst wurde auch entsprechend den neuen Erfordernissen einer Werkgruppe angepasst.

Über ein militärische Nutzung ist nichts bekannt. Nach dem 1. Weltkrieg sorgte ein Fortwart für die Erhaltung der Anlage. Im Zuge des Buchrucker-Putsches im Oktober 1923 wurde das Fort kurzzeitig von Einheiten der Schwarzen Reichswehr besetzt. Zu Kampfhandlungen kam es dabei nicht.

Bis 1945 befand sich im Fort eine Zweigstelle der Sonnenburger Munitionsfabrik. Beim ihrem Vormarsch 1945 besetzt die Rote Armee das Fort kampflos und nutzte es Munitionslager. Nach den Kämpfen um Küstrin diente das Fort als Kriegsgefangenenlager. Um es militärisch zu entwerten wurden in den folgenden Jahren die Eingangskaponiere und Teile der Kaserne gesprengt, die Stahlträger und sämtliche technischen Anlagen entfernt. Bis 1990 nutzte die polnische Armee das Fort als Lagerstätte.

2006 wurde ein polnischer Verein gegründet, der das Fort touristisch erschließen wollte. Dazu wurden auf den Wällen und Gräben Bäume und Strauchwerk entfernt. Ohne tragfähiges Konzept und erhoffte finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union sah man bald von weiteren Aktivitäten ab. An den Wochenenden wurde es häufig von Paintball - und Gotchaspielern genutzt, deren "Verzierungen" man an den Wänden sehen kann.
Auf den abgeholzten Freiflächen fanden nun Holunder und Rubinien ideale Wachstumsbedingungen vor, die die Wälle in kürzester Zeit wieder zuwuchern ließen. Zwischendurch war die Verbreitung der Vegatation der Art vorangeschritten, daß einzelne Werkpartien nicht mehr betreten werden konnten. Sinnlose Zerstörungen und Vermüllung tun ihr übriges. Seit 2015 nutzt ein Schützenverein das Gelände, der bereits einige bauliche Veränderungen vorgenommen hat. Es kann daher von Touristen nicht mehr betreten werden. Ob das Geschäftsmodell funktioniert wird die Zukunft zeigen. Für den Festungsfreund ist diese Entwicklung eine Katastrophe.