Küstrin im 18.Jahrhundert

Im 30. jährigen Krieg waren die Küstriner schwer von Kontributionen und Einquartierungen, sowie Verwüstungen der Vorstädte und Seuchen betroffen, die die bis dahin stetig anwachsende Einwohnerzahl rapide sinken ließ. Erst nach 1648 werden die zerstörten Häuser wieder aufgebaut. In den folgenden Jahren wird die Festungsbesatzung verstärkt. Der große Kurfürst lässt sich von der Stadt die kleine Kirche als Garnisonskirche abtreten. Das an der Mühlenpforte gebaute Schöpfwerk versorgt die Stadt nun mehr mit Flußwasser, daß über ein hölzernes Röhrensystem in die Stadt geleitet wird. 1673 und 1683 brannte der Kietz ab. 1690 forderte der Stadtgouverneur eine Pflasterung der Straßen, welche in den nächsten Jahrzehnten schrittweise ausgeführt wurde.

1699 lässt sich Kurfürst Friedrich III., der bereits 11 Jahre im Amt ist, in Küstrin huldigen. Die Feierlichkeiten dauern zwei Tage. 14 Monate später wird er als Friedrich I. in Königsberg zum König in Preußen gekrönt. Ab 1704 werden Laternen erwähnt, die an einzelen Stellen in der Stadt aufgestellt werden, unter anderem am Markt und an der Hauptwache. Anfang des 18.Jh. nimmt die Einwohnerzahl wieder zu und wegen der daraus entstehende Raumnot wird ab 1734 das Hornwerk mit Wohnhäusern bebaut. Auf Erlass des Königs werden 1723 alle wüsten Stellen in der Stadt verkauft.

Bereits 1710 wurden am Schloß einige Umbauten vorgenommen. Es verliert seine repräsentive Fassade und dient in einfacher Gestaltung fortan an als Verwaltungssitz der königlichen Domänenkammer. Die Umbauten werden jedoch nach dem Tode Friedrich I. nicht weiter fortgeführt. Bis 1730 werden die kupfernen Dachelemente gegen Ziegel ausgetauscht.

Küstrin um 1740. Die Festungswerke verhindern die Ausdehnung der Stadt. Die lange Vorstadt ist inzwischen größer als die Festungsstadt selbst.

1730 wird für 18 Monate Kronprinz Friedrich II. nach einem gescheiterten Fluchtversuch im Küstriner Schloß inhaftiert. Der bereits stark verfallende Westflügel des Schlosses wird 1741 erneuert und innen völlig umgestaltet.

Bodenprofil in der Berliner Straße: Holzbohlen als Fußgängerweg, darüber die Schwemmsandschicht der Überschwemmung von 1736. 20cm darüber die Brandschicht von 1758

Der baufällige Rathausturm wurde 1718 abgebrochen und in den Folgejahren wird das Rathaus aufwendig saniert und neu ausgestattet. In der kurzen Vorstadt entstanden bis 1735 trotz Widerstands des Stadtgouverneurs 40 neue Häuser. Die lange Vorstadt wächst in dieser Zeit stärker als die Stadt selbst. Seit 1688 sind mehr als 90 neue Häuser entstanden, so daß um 1730 189 Grundstückeigentümer und 114 Mieter gezählt werden. Die Häuser waren eher bescheiden errichtet, viele hatten Strohdächer und die Straßen waqren ungepflstert. Die 1710 am Mühlendamm errichtete Mühle wurde 1736 durch das Frühjahrshochwasser zerstört. Aus diesem Jahr wird berichtet, daß die Bewohner auf Kähnen durch die Straßen gefahren sind. Das Bodenniveau lag zu dieser Zeit etwa 75-100cm tiefer als heute. In der Festungsstadt werden zahlreiche Nutzbauten erneuert und vergrößert, unter anderen das Magazin in der späteren Berliner Straße und das alte Magazin in der Hinterstraße, welches zu Pferdeställen und Strohlager umgebaut wurde. Die auf der Brückenschanze befindlichen Privathäuser wurden zwischen 1713-1723 beseitigt.
Gegen 1740 werden in Küstrin Maulbeerplantagen angelegt. Seit 1713 werden in Preußen Seidenraupen gezüchtet, um sich von Seidenimporten unabhängig zu machen. 1743 sind in Küstrin 530 Maulbeerbäume verzeichnet. Ein Unternehmen, daß offenbar wenig Erfolg hatte, denn 1772 sind keine Küstriner Maulbeerplantagen mehr erwähnt.

1758 schossen die Russen unter General Fermor die Stadt in Brand, bis der aus Schlesien eilende König Friedrich II. die Festung entsetzen und die Russen in der Schlacht bei Zorndorf schlagen konnte. Trotz relativ großzügiger finanzieller Hilfe durch den König dauerte der Wiederaufbau der Stadt und der niedergebrannten Vorstädte Jahre. Erst 1770 konnten alle 202 Häuser der Stadt wieder aufgebaut werden. Friedrich verbot als Konsequenz des Großbrandes den Bau von Fachwerkhäusern. Die Häuser der Stadt wurde nun aus massiven Mauern errichtet. Das abgebrannte Küstriner Schloß wurde nun nach den ursprünglichen Plänen von 1710 wieder aufgebaut. Der Bau eines Kanals zwischen Oder und Weichsel erhob Küstrin in den Rang einer Hafenstadt und verschaffte vielen Küstrinern Arbeit in der mit der Schiffahrt verbundenen Berufen.